110 Jahre Skisport feiert die Wintersport-Arena Sauerland in den kommenden Monaten. Dunkler Anzug, weißes Hemd mit hohem Kragen, Binder und Hut, die Damen in eleganten Wollröcken, lange Holzskier unter den Füßen und einen langen Bergstock zum Bremsen in der Hand: So sahen Skitouristen Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Schneeschuhlaufen, wie es genannt wurde, war damals noch eine Angelegenheit wohlhabender Stadtbürger.

 

Skifahren vor 100 Jahren

Skifahren vor 100 Jahren

Das Skifahren auf dem Land entstand eher aus der Notwendigkeit heraus, sich in den Wintermonaten fortbewegen zu können. Überlieferungen zufolge, sollen im 18. Jahrhundert einige Bewohner von Langewiese auf einer Art Schneeschuhen talwärts gefahren sein, um Wasser aus einer tiefer gelegenen Quelle zu holen. Förster und Jagdaufseher, wie schon 1888 der Oberförster Hagemann aus Winterberg nutzen Skier als Hilfsmittel. Örtliche Stellmacher fertigten diese Skier nach Abbildungen an, die ihnen aus Braunlage vorlagen. Hinweise dazu gibt es Ende des 19. Jahrhunderts aus dem gesamten Astengebiet, dem Raum Schmallenberg und Bad Berleburg. Mit den heutigen Skiern hatten diese allerdings wenig zu tun. Meist waren es gebogene Bretter mit einem aufgenagelten Oberschuh. 1896 hat sich der Altastenberger Pfarrer Skier aus dem Schwarzwald kommen lassen.

Doch zur Entwicklung der armen, abgelegenen Bergdörfer zu angesagten Wintersportorten brauchte es mehr. Die Eröffnung des letzten Teilstücks der Bahnstrecke Bestwig-Winterberg im Oktober 1906 trug einen wesentlichen Teil dazu bei. Der Ruf des neuen Wintersportgebiets verbreitete sich schnell. Wohlhabende Bürger reisten aus den Städten des Ruhrgebiets und des Rheinlandes an, um sich selbst im Skifahren zu versuchen oder anderen bei ihren Versuchen zuzusehen. Im Februar 1907 wurde der Skiklub Sauerland (SKS) der Vorläufer des heutigen Westdeutschen Skiverbands (WSV) gegründet. Und Gäste kamen reichlich. Schon 1911 ist zu lesen, dass in einer einzigen Stunde 3.000 Schneehungrige aus dem Zug in den 1400-Seelen-Ort Winterberg strömten. Handwerker, Händler – alle profitierten vom „Segen“ Wintersport. „Jede Flock‘ nen Daler wert“, erkannte schon gegen Anfang des neuen Jahrhunderts der Neuastenberger Gastwirt Albert Rossel. Zu den wichtigsten Aufgaben des SKS gehörte die Förderung des Skilaufens. Mit der Organisation von Skilehrgängen schuf der Verein u.a. eine weitere Grundlage zur Entwicklung des Skifahrens zum Sport für „Jedermann“. Auch die Beschaffung von Skiern und der Einsatz der ersten Sonderzüge ging auf das Konto des Vereins.

Nicht nur die gut situierten Bewohner der entfernt gelegenen Städte des Ruhrgebiets sollten den Wintersport schätzen lernen. Um breite Schichten der einheimischen Bevölkerung für den neuen Sport zu begeistern, setzten sich Regierungsvertreter dafür ein, das Skifahren als Schulsport an Volksschulen zu etablieren. 1911 wurden sogar 500 Paar Skier an Schulkinder in den Sauerländer Dörfern verteilt.

 

Skiwandern

Skiwandern

Skiwandern als bevorzugter Wintersport Die ersten Skitouristen im Sauerland waren Tourengänger. Auf bis zu 2,20 Meter langen Skiern durchquerten sie die Bergwelt. Teil der Ausrüstung war anfangs ein langer Bergstock mit einer eisernen Spitze, der zum Bremsen benutzt wurde. Erst später änderte sich die Technik, die Fahrer nutzten kürzere Skier und zwei Stöcke mit Tellern daran. Mitte der 30er Jahre fand der alpine Skilauf immer mehr Freunde. Wann der erste Skilift im Sauerland entstand, ist nicht ganz sicher. 1933/34 soll es am Nordhang einen Lift mit einem Hanfseil gegeben haben. Skifahrer konnten sich daran festhalten und hoch zum Kahlen Asten ziehen lassen. Mit dem Entstehen der Lifte verlor das anstrengende Skiwandern immer mehr Anhänger. Am Ende der Entwicklung steht die Wintersport-Arena CARD, mit acht beteiligten Skigebieten und 97 Abfahrten in 66 Kilometer Gesamtlänge ist sie heute der größte Ticketverbund nördlich der Alpen.

Keine Bewegung ohne gegenläufige Entwicklung: Nicht jeder Gast liebte den Trubel der Skigebiete in den Wintersporthochburgen. Seit den 70er Jahren fand der Skilanglauf als Breitensport immer mehr Anhänger. Nach dem Vorbild der früheren Skiwanderer zogen sportlich orientierte Naturgenießer durch die winterliche Landschaft. Langlaufspuren entstanden bis dahin noch durch Läufer, die sie selbst mit ihren eigenen Ski in den frisch gefallenen Schnee zogen. Die ersten motorisierten Spurgeräte in den 80er Jahren waren ein Eigenbau, gezogen von einem Skidoo, einem Motorschlitten. Mit der maschinellen Präparierung änderte sich auch die Langlauftechnik. Die Spuren wurden fester, die Ski schmaler, die Stöcke länger. Seit den 90er Jahren schafften sich immer mehr Gebiete professionelle Loipenspurgeräte im heutigen Sinne an. 1978 brachte der Amerikaner Jake Burton die ersten in Serie produzierten Snowboards auf den Markt. In den 90er Jahren setzte ein regelrechter Snowboard-Boom ein. Heute fühlen sich Wintersportler aller Couleur dort wohl. Wer sich heute für Pistendetails interessiert schlägt am besten unter www.wintersport-arena.de/de/wsa/arenakarte nach.

 

Quellen u. a. Bärbel Michels: Wintersport im Sauerland in früherer Zeit Dietmar Sauermann: Gute Aussicht – Damals bei uns im Sauerland, www.wintersport-arena.de.

 

Alle Bilder: “Wintersport-Arena Sauerland/ Siegerland-Wittgenstein e. V.”